Ein Samstagabend im Club VIP Room, in dem auch Rihanna verkehrt: Bitches, $1000 -Wodka und eine Geschichte, die mit einem Hedgefonds-Manager beginnt und mit NYPD-Officers endet.

Samstagabend, 22.00 Uhr, Gemeinschaftsraum eines Wohnheimes vorwiegend deutscher Studenten und Praktikanten in der Upper East Side. Stephan und Lukas, zwei Freunde, schauen mit mir die New York Yankees gegen die Atlanta Braves und überlegen, was mit dem Abend anzufangen sei. Plötzlich kommt Emre herein. Emre heißt nur in diesem Beitrag Emre, sein richtiger Name soll hier nicht stehen. Er ist ein deutsch-türkischer Hedgefonds-Manager. „Jungs, ich promote gerade einen Club, Rihanna war da auch schon. Eigener Tisch, wir kommen garantiert rein. Eintritt $20 bis $30 und wir erhalten fünf bis acht Flaschen Wodka inklusive Mischgetränke.“ Emre zeigte auf seine Uhr und sagt: „In zwanzig Minuten geht es los.“ Stephan, Lukas und ich sind dabei.

22.20 Uhr. An der Ecke winken wir ein Yellow Cap heran. Im Taxi fahren wir zum VIP Room. Der Wagen rollt langsam durch den Verkehr der 9th Avenue, das Taxameter läuft. Okay, fünf Dollar pro Kopf sind zu verschmerzen, auch wenn die Monatskarte der Subway uns ebenso schnell und günstiger ans Ziel gebracht hätte.

22.45 Uhr. Gäste drängeln sich vor dem Club zwischen Absperrgitter. Kaum Leute werden hinein gelassen. Es ist laut, männliche Besucher fühlen sich wichtig und drängeln sich mit der Begründung, schon sehr viel Geld bezahlt zu haben, vor. Mir wird klar, warum Amerikaner so fasziniert von Berliner Clubs sind. Die Schlange vor dem Berghain zeugt von deutscher Ordnung; niemand redet, alles schweigt. Sven Marquardt ließe sich nicht von Geld, Kleidung oder Bitches beeindrucken. Meine amerikanischen Mit-Wartenden würden ihn wohl für ein Relikt des realexistierenden Sozialismus halten.

23.15 Uhr. Emre hat nun alle 17 Leute, die er mitbringt, beisammen und wir marschieren in den VIP Room. Doch nur sechs von uns erreichen den Cashdesk. Männer müssen sogleich $30 bezahlen, Frauen $20. Der Rest ist zunächst zurückgefallen. Emre nimmt den Kampf auf; verbal mit den Türstehern und via SMS mit dem Club Manager.

23.45 Uhr. Emre bringt den Rest erfolgreich in den VIP Room. Wir bekommen einen Tisch zugewiesen und EINE Flasche Wodka gebracht. Acht ist nicht, der Club bescheißt seine Promoter. Stephan, Lukas und ich positionieren uns am Eiskübel und lassen den Wodka nicht aus dem Auge. Stephan spricht einen Toast aus: „Cheers. Für diesen Drink hast du jetzt 30 Dollar bezahlt.“ Zeitnah schenken wir nach.

0:15 Uhr. Der Club ist voll und freizügig gekleidete weibliche Gäste schwingen ihre Hintern auf den Podesten. Viele Frauen wirken billig und bitchig, einige Männer wollen äußerliche oder innerliche Makel mit Geld wett machen. Der VIP Room fasst etwa 300 Gäste, darunter vermutlich weniger VIPs, als der Name suggeriert. Ein DJ spielt Hip Hop, RnB und Chart-Hits der 2000er und von heute. An einer Wand leuchtet rot: „Fuck Water. Drink Champagne.“ Champagner? Mal die Karte öffnen und besser nichts kaufen.

VIP_Room_Prices
0:45 Uhr. Zwei Tische weiter bestellt jemand eine Flasche polnischen Belvedere Wodka für $1000.  Es ist eine Magnum-Flasche mit 1,7 Litern Wodka. Sie kostet bei Amazon etwa 90 Euro. Im VIP-Room steckt die Flasche in einem silbernen Plastikbären und wird von vier Servicedamen in knallengen roten Kleidern gebracht. Sie winken mit Tischfeuerwerk. Wodka der Hausmarke ist übrigens schon für $550 Dollar zu haben.

1:30 Uhr. Musik aus, Licht an. NYPD-Officers kommen in den Club und hindern Mädchen am Verlassen des VIP Rooms. Sie sind noch nicht 21 und haben Fake-IDs. Stephan, Lukas und ich hören uns auf dem Dancefloor um. Überraschend viele weibliche Gäste sind noch nicht volljährig. Das männliche Durchschnittsalter dürfte sich eher an der 30 liegen. Wessen Schuld ist es, dass die Party nun vorbei ist? Die des Clubs. Wessen Problem wird es? Das der Mädchen.

2:00 Uhr. Ein Club in dem auch Rihanna feiert, muss tatsächlich alle Gäste vor die Tür setzen, weil er die amerikanischen Gesetze nicht befolgen kann oder will. Vor der Tür stehen Audi und BMW abfahrbereit. NYPD hat den Schuppen hochgenommen. Emre und seine Jungs feiern woanders weiter. Stephan, Lukas und ich fahren ins Wohnheim. Mit der Subway.